Realität und Wirklichkeit

Management gestalten!

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In der Tradition von Paul Watzlawick und den Konstruktivisten, stellt sich nicht nur im therapeutischen Umfeld die Frage nach der Wirklichkeit. Gerade in der Geschäftswelt, die ja von gestaltungswilligen Alphatieren geprägt ist, spielt der individuelle Blickwinkel eine wirklichkeitsgestaltende Rolle. Bei Steve Jobs wurde es hinlänglich als „reality distorsion field“ benannt. Walter Isacson übersetzt diese Eigenschaft des herausragendsten CEO’s des neuen Jahrtausends, in seiner Biographie über Jobs, mit dem Hang dazu einfach skrupellos zu lügen.

Ist es alleine die Absicht, die eine Lüge zu einem verwerflichen Vorgang macht? Ist die Konstruktion der Wirklichkeit eine Lüge? Die Absicht alleine ist unproblematisch und viel mehr noch die Voraussetzung eines gestalterischen Prozesses. Ich denke, dass wir diese therapeutische Elementarerkenntnis nicht mit einer „allgemein gültigen“ Definition von Lügen schäden dürfen. Lügen hat in unserem Sprachgebraucht eine negative Konotation wohingegen die Umdeutung unserer persönlichen Wirklichkeit ein therapeutischer Segen ist. Der gößte Unterschied zwischen dem Spektrum der Geisteswissenschaft und der Realwirtschaft ist wohl, dass sich die Führungspersönlichkeit der Nützlichkeit seiner wirktlichkeitsgestaltenden Rolle bewußt ist.

Der Therapeut würde die Umgestaltung der Wirklichkeit moderieren und die Ergebnisplasitizität hochhalten. Der Manager strebt danach eine möglichst effiziente Wirklichkeit in seinem Umfeld zu etablieren, die sowohl den Zielen des Unternehmens, als auch denen seiner Person dient. Vielleicht macht der Nutzen die eine Wirklichkeit zu einer ressourcevollen Erfahrung der Selbstbestimmtheit und die andere Wirklichkeit zur täglich fremdbestimmten Qual. Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass der Manager ein wesentlich mächtigeres und umfassenders Instrumentarium besitzt die Wirklichkeit seines Umfeldes zu gestalten. Alleine der Zugriff auf die untersten Ebenen der maslow’schen Pyramide (Grundbedürfnisse) beeinflusst die Wirklichkeit maßgelich.

Interessant genug ist die Suche der Wirtschaftswissenschaften danach Leistung und Innovation innerhalb einer Organisation auf einem hohen Niveau zu halten. Peter F. Drucker hat die Zielorientierung eingeführt, Fredmund Malik hat sie systematisiert und methodisiert. Heute jagen wir dem „agilen“ Lieferprozess hinterher, der den systematisierten Prozessauswüchsen entgegenwirken soll. Es ist aber immer nur der Versuch die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass ein System die „richtigen“ Ergebnisse erzeugt.

Ich denke wir sollten die Integration der Wirklichkeitsgestaltung auf einer anderen Ebene vorantreiben. Jedes Unternehmen braucht Ziele und intelligente Lieferprozesse. Um Stabilität und dauerhaften Erfolg hinzuzufügen, müssen wir die Wirklichkeiten von Unternehmen und die der darin arbeitenden Menschen auf der gleichen Ebene denken lernen. Will ich einen Menschen für mein Unternehmen gewinnen, sollte im Vordergrund stehen, ob seine Wirklichkeit zu der des Unternehmens und deren Zielen passt. Alleine die Bedürfnisse und Realitäten des Menschen zu (be)achten, kann der wirtschaftlichen Wirklicheit einen ressourcevollen Zustand verschaffen. Aus Erfahrung wissen wir, dass dieser Zustand Basis für Innovation, Leistung und Zufriedenheit ist.

Vielleicht müssen wir dafür das eine oder andere holistische Wirtschaftsprinizp aufgeben. Interesse und Plastizität für die Wirklichkeit von Menschen und der von Organisationen, könnte uns zu einer neuen Ebene der Entwicklungsfähigkeit führen. Der Wert einer gemeinsam gedachten Wirklichkeit ist mit Gold nicht aufzuwiegen.


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